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Walaschek, Eugène

Eugène „Genia“ Walaschek

*20. Juni 1916
†22. März 2007

Position: Innenstürmer ("Inside")

Nationalmannschaft
Erstes Länderspiel: 19. September 1937 gegen Österreich in Wien (3:4)
Letztes Länderspiel: 8. April 1945 gegen Frankreich in Genf (1:0)
26 Länderspiele, 4 Tore
WM-Teilnahme: 1938

Vereinsstationen
1928-1930 Servette FC (Junioren)
1930-1935 Urania Genf
1935-1943 Servette FC
1943-1948 BSC Young Boys

Vereinserfolge
Schweizer Meister 1940 (mit Servette FC)
Schweizer Cupsieger 1945 (2:0 n.V. gegen St. Gallen)
Schweizer Cupfinalist 1936 (0:2 gegen Young Fellows Zürich), 1938 (1:5 im WH-Spiel gegen GC), 1941 (0:2 im WH-Spiel gegen GC)

Infos

Kam im Alter von knapp drei Jahren mit seiner aus der Schweiz stammenden Grossmutter Jenny Morel und seinem Onkel Georges Morel aus Moskau nach Genf, die Eltern - der Vater war ein Tscheche, die Mutter eine Deutsche - blieben in Moskau und sahen ihr Kind erst in den 1960er-Jahren in Wien wieder. Das Schweizer Konsulat hatte Walaschek, den Russen, als Sohn der Grossmutter mit Namen Eugène Morel eingetragen und somit als Schweizer taxiert
1924 wurde sein Name in Walaschek zurückversetzt, er verlor jedoch die Schweizer Staatsbürgerschaft und wurde zum "Sans-Papier", 1932 erhielt er einen Nansen-Pass für staatenlose Flüchtlinge. 1935 reichte er ein Einbürgerungsgesuch ein, das auf eidgenössischer Ebene genehmigt wurde, sich in Genf jedoch in schwieriger politischer Lage hinzog und vom Grossen Rat im September 1937 vorerst abgelehnt wurde
Walaschek spielte als Junior zunächst beim Servette FC, wechselte 1930 aber zu Urania Genf, wo er in der Saison 1931/32 bei einer 1:4-Niederlage gegen den FC Zürich als 15-Jähriger am rechten Flügel debütierte
Sein Debüt in der Schweizer Nationalmannschaft am 19. September 1937 beim 3:4 gegen Österreich in Wienmachte er noch als Staatenloser, er traf zum zwischenzeitlichen 1:3-Anschluss für die Schweizer
Für das WM-Qualifikationsspiel am 1. Mai 1938 in Mailand gegen Portugal wurde Walaschek von der FIFA nicht zugelassen, für die WM 1938 in Frankreich jedoch gab der FIFA-Kongress einem Wiedererwägungsgesuch des SFAV mit 14:10-Stimmen statt, der Fussball hatte ihn noch vor der Politik eingebürgert
Beim Achtelfinalsieg gegen Grossdeutschland steuerte Walaschek zum 4:2-Erfolg im Wiederholungsspiel (die erste Partie hatte 1:1 geendet) ein persönliches Tor (zum 1:2-Anschluss) bei
Am 19. Juni 1938, eine Woche nach dem 0:2 verlorenen WM-Viertelfinal gegen Ungarn, stand Walaschek mit Servette im Wiederholungsspiel des Schweizer Cupfinals gegen GC und verlor mit 1:5, er erzielte den einzigen Genfer Treffer
Im Oktober 1938 erhielt er definitiv den Schweizer Pass, zu jenem Zeitpunkt hatte er schon 13 Länderspiele für die Schweiz als "Sans Papier" bestritten, die Hälfte seiner total 26 Einsätze
1940 wurde er mit dem Servette FC, seinem Jugendverein, Schweizer Meister, ohne ein einziges Spiel in der gesamten Saison verloren zu haben. Trainer war André "Trello" Abegglen
Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er in der eidgenössischen Steuerverwaltung in Bern. 1942 schloss er sich dem BSC Young Boys an und spielte dort für weitere fünf Jahre
Am 2. April 1945 erzielte er im Cupfinal gegen den FC St. Gallen mittels Penalty das entscheidende 2:0 in der Verlängerung. Die Berner hatten nur zwei Tage zuvor, im Wiederholungsspiel gegen die Young Fellows, den Finaleinzug geschafft und traten am Ostermontag mit der exakt gleichen Aufstellung zum Endspiel an. Für Walaschek war es der einzige Cupsieg nach drei verlorenen Finals mit Servette
Walaschek galt als starker "Inside", intelligent, spielstark, technisch beschlagen und mit gutem Auge für den Mitspieler, kaum einer konnte den Ball so gut halten wie Walaschek, der schon früh eine feste Grösse bei Servette (im Zusammenspiel mit Goalgetter Georges Aeby) und in der Nationalmannschaft wurde
Nach seiner Karriere arbeitete er in leitender Stellung als Ökonom in der Genfer Finanzverwaltung und trainierte die Teams von Etoile La Chaux-de-Fonds (1951/52) und Urania Genf (1953-1961)
Ab 1971 leitete er das Finanzkontrollwesen der Stadt Genf
Über sein Leben wurde der Film "Walascheks Traum" gedreht, Paul Klee nahm den Fussballer zum Motiv für sein Bild "Alphabet i", 1991 schrieb der Italiener Giovanni Orelli einen Roman über Walaschek und das Bild, der 2008 in deutscher Sprache "Walaceks Traum" im Limmat Verlag erschien (ISBN 978-3-85791-562-8)
2007 verstarb er als letzter Spieler des erfolgreichen WM-Teams von 1938