WM 1966 in England

Die Qualifikation

WM 1966, Gruppe 5
Schlussklassement

1. Schweiz 6 4 1 1 7:3 9

2. Nordirland 6 3 2 1 9:5 8
3. Holland 6 2 2 2 6:4 6
4. Albanien 6 0 1 5 2:12 1

Die Schweiz damit an der WM 1966


Das Schweizer Aufgebot für die Endrunde

Tor: 1 Charly Elsener (Grasshoppers Zürich), 12 Leo Eichmann (FC La Chaux-de-Fonds), 22 Mario Prosperi (FC Lugano). - Verteidigung: 5 René Brodmann (FC Zürich), 7 Hans-Ruedi Fuhrer (BSC Young Boys), 9 André Grobéty (Lausanne-Sports), 14 Werner Leimgruber (FC Zürich), 18 Heinz Schneiter (BSC Young Boys), 19 Xavier Stierli (FC Zürich), 20 Ely Tacchella (Lausanne-Sports). - Mittelfeld: 3 Kurt Armbruster (Lausanne-Sports), 4 Heinz Bäni (FC Zürich), 6 Richard Dürr (Lausanne-Sports), 11 Köbi Kuhn (FC Zürich). - Angriff: 2 Willy Allemann (FC Grenchen), 8 Vittorio Gottardi (FC Lugano), 10 Robert Hosp (Lausanne-Sports), 13 Fritz Künzli (FC Zürich), 15 Karl Odermatt (FC Basel), 16 René-Pierre Quentin (FC Sion), 17 Jean-Claude Schindelholz (Servette FC), 21 Georges Vuilleumier (Lausanne-Sports). - Trainer: Dr. Alfredo Foni/It.


Die Spiele der Endrunde

Vorrunde, Gruppe 2

WM 1966, Endrunde, Gruppe 2
Deutschland – Schweiz 5:0 (3:0)

12. Juli 1966, 19.30 Uhr. – Hillsborough, Sheffield/
Eng. – 36 127 Zuschauer. – SR Hugh Philipps
(Schottland). – Tore: 15. Held 1:0. 20. Haller 2:0.
39. Beckenbauer 3:0. 52. Beckenbauer 4:0.
77. Haller (Foulpenalty) 5:0.
BR Deutschland: Tilkowski; Höttges, Schulz, Weber,
Schnellinger; Haller, Beckenbauer, Overath;
Brülls, Held.
Schweiz: Elsener; Grobéty, Schneiter, Tacchella,
Fuhrer; Bäni, Dürr, Odermatt; Schindelholz, Künzli,
Hosp. – Nationaltrainer: Dr. Alfredo Foni.
Bemerkungen: Schweiz ohne Kuhn, Leimgruber,
Eichmann (intern suspendiert). Schweizer Bank
(Auswechslungen nicht erlaubt): Prosperi, Eichmann,
Willy Allemann, Armbruster, Brodmann,
Gottardi, Quentin, Xavier Stierli, Vuilleumier.


WM 1966, Endrunde, Gruppe 2
Spanien – Schweiz 2:1 (0:1)

15. Juli 1966, 19.30 Uhr. – Hillsborough, Sheffield.
– 32 028 Zuschauer. – SR Tofik Bakramov
(Sowjetunion). – Tore: 28. Quentin 0:1. 57. Sanchis
1:1. 75. Amancio 2:1.
Spanien: Iribar; Sanchis, Gallego, Zoco, Reija;
Suarez, Pirri, del Sol; Amancio, Peiro, Gento.
Schweiz: Elsener; Brodmann; Fuhrer, Leimgruber,
Xavier Stierli; Bäni, Kuhn, Armbruster; Gottardi,
Hosp, Quentin. – Nationaltrainer: Dr. Alfredo
Foni.
Bemerkungen: Schweizer Bank
(Auswechslungen nicht erlaubt): Prosperi, Eichmann,
Willy Allemann, Grobéty, Schneiter,
Tacchella, Dürr, Odermatt, Künzli, Vuilleumier,
Schindelholz. Gegenüber dem
WM-Startspiel gegen Deutschland spielt die Schweiz auf sieben
Positionen verändert, unter anderem wieder
mit den gegen Deutschland suspendierten Kuhn
und Leimgruber. 69. Tor von Quentin wegen
vorangegangem Foul von Gottardi annulliert.
73. Suarez trifft mit Freistoss nur die Querlatte.


WM 1966, Endrunde, Gruppe 2
Argentinien – Schweiz 2:0 (0:0)

19. Juli 1966, 19.30 Uhr. – Hillsborough, Sheffield.
– 32 127 Zuschauer. – SR Joaquim Fernandes
Campos (Portugal). – Tore: 53. Artime 1:0.
81. Onega 2:0.
Argentinien: Roma; Ferreiro, Perfumo, Calics,
Marzolini; Solari, Rattin, Gonzales; Artime,
Onega, Mas.
Schweiz: Eichmann; Brodmann; Xavier Stierli,
Bäni, Fuhrer; Kuhn, Armbruster; Gottardi, Künzli,
Hosp, Quentin. – Nationaltrainer: Dr. Alfredo
Foni.
Bemerkungen: Erstes Länderspiel gegen Argentinien.
Argentinien ohne Albrecht (gesperrt);
Schweiz ohne Leimgruber (verletzt). Schweizer Bank
(Auswechslungen nicht erlaubt): Elsener, Willy Allemann,
Dürr, Grobéty, Odermatt, Schindelholz, Schneiter,
Tacchella, Prosperi. Libero Brodmann wirkt in seinem fünften
Länderspiel erstmals als Schweizer Captain.


Klassement, Gruppe 2

1. BR Deutschland 3 2 1 0 7:1 5
2. Argentinien 3 2 1 0 4:1 5
3. Spanien 3 1 0 2 4:5 2
4. Schweiz 3 0 0 3 1:9 0

Schweiz damit ausgeschieden


Infos

In England ist es das „dritte Tor“ – hierzulande ist der Treffer zum 3:2-Sieg der Engländer in der Verlängerung des WM-Finals 1966 das „Wembley-Tor“. Noch heute weiss jedes Kind, was damit gemeint ist und wo immer auf einem Fussballplatz ein Ball von der Unterseite der Querlatte zurück auf den Boden prallt und nicht genau eruierbar ist, ob der Ball nun vor, auf oder hinter der Linie aufsprang, heisst es reflexartig: „Wembley“. Diesem Tor des Engländers Geoff Hurst verdankt auch der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst seine grosse Bekanntheit weit über das WM-Turnier von 1966 hinaus. Denn er war es, der nach Rücksprache mit dem russischen Linienrichter Tofik Bahramov entschied, dass der Treffer zählen würde. Das Problem war, dass sich der Basler Ref und der Linienrichter aus dem Osten sprachlich nicht verständigen konnten. Und Bahmarov selbst widersprach sich später bei der Schilderung seiner Beobachtungen. Zunächst sagte er, er sei sich zu 100 Prozent sicher, dass der Ball hinter der Linie war. Ein anderes Mal räumte er ein, dass er den Aufprall des Balles gar nicht gesehen hätte, aber er hätte gesehen, wie sich das Netz bewegte. TV-Aufnahmen widerlegten dies jedoch. Und in einer weiteren Version sagte Bahmarov, er hätte sich auf die Reaktionen der Spieler verlassen.

Nun denn, mit der heutigen modernen Technik konnte rekonstruiert werden, dass der Ball im WM-Final 1966 mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht in vollem Umfange hinter der Linie aufprallte, das Tor demnach also nicht hätte zählen dürfen. Gottfried Dienst war damals einer der besten internationalen Schiedsrichter, er pfiff unter anderem 1961 den Final des Europacups der Meister zwischen dem FC Barcelona und Benfica Lissabon (2:3) im Berner Wankdorf-Stadion. Und 1968, zwei Jahre nach dem umstrittenen Wembley-Tor, arbitrierte Dienst auch das erste Spiel des EM-Finals zwischen Italien und Jugoslawien in Rom. 1:1 endete die Partie, und weil es danach Diskussionen gab, dass Dienst die Italiener bevorzugt hätte, wurde das Wiederholungsspiel zwei Tage später vom Spanier José Maria Ortiz geleitet . Am 1. Juni 1998 verstarb Gottfried Dienst, der langjährige Postbeamte, in seiner Heimatstadt Basel. Jahrelang hatte er sich noch in der Schiedsrichterausbildung engagiert – und die Geschichte vom Wembley-Tor viele tausend Male erzählt.

Schweizer Figur(en)

Eine andere Geschichte war der Auftritt der Schweizer an dieser WM 1966. Am Abend vor dem ersten Spiel gegen die BR Deutschland liessen sich Köbi Kuhn, Werner Leimgruber und Leo Eichmann vor dem Teamhotel in Sheffield zu einem unbewilligten nächtlichen Ausflug hinreissen, stiegen zu zwei Damen ins Auto und kamen eine Stunde nach dem "Zapfenstreich" um 22.30 Uhr zurück. Der Wirbel war gross - aus der Mücke wurde schnell ein Elefant. Die drei Spieler wurden von Nationaltrainer Dr. Alfredo Foni und der Schweizer Delegationsleitung unter der Führung von Ernst B. Thommen für das erste WM-Spiel am anderen Tag intern suspendiert. Zu dieser "Nacht von Sheffield" gibt es detailierte Informationen im Buch "Ernst B. Thommen - Das bewegte Leben des grossen Sportförderers". Gegen die Deutschen blieben die Rot-Weissen danach ohne Chance - 0:5 ging die Partie verloren. Gegen Spanien erzielte René Quentin den einzigen Schweizer Treffer des Turniers, es sollte für lange 28 Jahre das letzte Schweizer WM-Tor sein. Die Spanier schafften noch die Wende und gewannen 2:1. Auch gegen Argentinien gabs beim abschliessenden 0:2 keine Punkte für die Schweiz.


Weltmeister

Für die Engländer war der WM-Titel 1966 der bis heute einzige internationale Pokal, den man erringen konnte. Dem Wembley-Tor in der 10. Minuten der Verlängerung im Final gegen Deutschland folgte noch das 4:2. Und zum zweiten von insgesamt fünfmal wurde der Gastgeber auch Weltmeister.


Kurios

Erstmals nahm Nordkorea an einer WM-Endrunde teil und damals wie heute war der internationale Standard des kommunistischen Landes problematisch. England pflegte daher keine Diplomatie mit den Nordkoreanern und wollte auch die nordkoreanische Hymne nicht abspielen. Und deshalb entschied die FIFA kurzerhand, während des ganzen Turnieres gar keine Nationalhymnen abspielen zu lassen. Die Ausnahme bildete einzig das Finalspiel zwischen England und Deutschland.