WM 1962 in Chile

Die Qualifikation

WM 1962, Gruppe 1
Schlussklassement:

1. Schweiz 4 3 0 1 9:9 6
2. Schweden 4 3 0 1 10:3 6
3. Belgien 6 0 0 4 3:10 0

Die Schweiz nach einem 2:1 (1:0)-Sieg im Entscheidungsspiel gegen Schweden in Berlin an der WM 1962


Das Schweizer Aufgebot für die Endrunde

Tor: 1 Karl Elsener (Grasshoppers Zürich), 2 Antonio Permunian (FC Luzern), 3 Kurt Stettler (FC Basel). - Verteidigung: 4 Willy Kernen (La Chaux-de-Fonds), 5 Fritz Morf (FC Grenchen), 6 Peter Rösch (Servette FC), 7 Heinz Schneiter (Young Boys Bern), 8 Ely Tacchella (Lausanne-Sports), 9 André Grobéty (Lausanne-Sports), 10 Fritz Kehl (FC Zürich). - Mittelfeld: 16 Richard Dürr (Lausanne-Sports), 13 Hans Weber (FC Basel), 21 Rolf Wüthrich (Servette FC). - Angriff: 14 Toni Allemann (AC Mantova/It), 15 Charles Antenen (La Chaux-de-Fonds), 17 Norbert Eschmann (Stade Français Paris/Fr), 11 Eugen Meier (BSC Young Boys), 18 Philippe Pottier (Stade Français), 19 Gilbert Rey (Lausanne-Sports), 12 Marcel Vonlanthen (Lausanne-Sports), 20 Roger Vonlanthen (Lausanne-Sports). - Trainer: Karl Rappan/Ö.


Die Spiele an der Endrunde

Vorrunde, Gruppe B

Chile – Schweiz 3:1 (1:1)

30. Mai 1962, 15.00 Uhr. – Estadio Nacional, Santiago de Chile. – 65 006 Zuschauer. – SR: Kenneth Aston (England). - Tore: 8. Wüthrich 0:1. 44. Leonel Sanchez 1:1. 52. Ramirez 2:1. 55. Leonel Sanchez 3:1.

Schweiz: Elsener; Morf, Heinz Schneiter; Grobéty, Tacchella, Weber; Antenen, Eschmann, Wüthrich, Pottier, Allemann.

Chile: Escuti; Eyzaguirre, Contreras, Raul Sanchez; Navarro, Rojas; Ramirez, Toro, Landa, Fouilloux, Leonel Sanchez.

Bemerkungen: Eröffnungsspiel mit Ansprachen von Chiles Staatspräsident Jorge Alessandri und FIFA-Präsident Sir Stanley Rous. 10. Verwarnung gegen Eschmann. 19. Eyzaguirre befreit Heber von Antenen auf der Torlinie. 24. Schuss Fouilloux' an den Torpfosten. 39. Matchball wird auf Protest der Schweizer gegen einen gebrauchten chilenischen Ball ausgetauscht. 58. Schuss L. Sanchez' an die Querlatte.


Deutschland – Schweiz 2:1 (1:0)

3. Juni 1962, 15.00 Uhr. – Estadio Nacional, Santiago de Chile. – 64 922 Zuschauer. – SR: Leo Horn (Holland). – Tore: 46. (1.HZ) Brülls 1:0. 61. Seeler 2:0. 73. Schneiter 2:1.

Schweiz: Elsener; Schneiter, Tacchella; Grobéty, Wüthrich, Weber; Antenen, Vonlanthen, Allemann, Eschmann, Dürr.

Deutschland: Fahrian; Nowak, Erhardt, Schnellinger; Schulz, Szymaniak; Koslowski, Haller, Seeler, Brülls, Schäfer.

Bemerkungen: 12. Eschmann verletzt, mehrere Minuten ausserhalb des Spielfelds gepflegt und bis zur Pause stark handicapiert auf dem Platz, danach die Schweiz zu zehnt. 40. Schnellinger verletzt, kann nach der Pause weiterspielen. 28. Schuss Seelers, 66. Schuss Koslowskis an den Torpfosten. 73. Erhard klärt einen Schuss Allemanns auf der Torlinie.


Italien - Schweiz 3:0 (1:0)

7. Juni 1962, 15.00 Uhr. – Estadio Nacional, Santiago de Chile. – 59 828 Zuschauer. – SR: Nikolai Latyschew (Sowjetunion). – Tore: 3. Mora 1:0. 65. Bulgarelli 2:0. 68. Bulgarelli 3:0.

Schweiz: Elsener; Schneiter, Tacchella; Grobéty, Meier, Weber; Antenen, Vonlanthen, Wüthrich, Dürr, Allemann.

Italien: Buffon; Losi, Maldini, Robotti; Salvadore, Radice; Mora, Bulgarelli, Sormani, Sivori, Pascutti.

Bemerkung: 35. Losi klärt für den geschlagenen Buffon auf der Torlinie. 40. Pascutti verletzt sich bei einem Zusammenstoss und greift erst nach der Pause wieder ins Geschehen ein. 45. Kopfball Schneiters an die Querlatte. 52. Elsener muss nach Zusammenprall mit Pascutti einige Minuten gepflegt werden und spielt benommen weiter.



Klassement, Gruppe B

1. BR Deutschland 3 2 1 0 0 4:1 5
2. Chile 3 2 0 1 5:3 4
3. Italien 3 1 1 1 3:2 3
4. Schweiz 3 0 0 3 2:8 0

Die Schweiz damit ausgeschieden


Infos

Die WM 1962 stand unter dem Eindruck einer doch sehr harten Gangart, als Tiefpunkt gilt noch heute die Partie zwischen dem Gastgeber Chile und Italien, in der alles ausser Fussball geboten wurde. Auch das Spiel der Italiener gegen Deutschland war kaum an Brutalität zu überbieten und so war man gespannt, wie denn die Schweizer und die Deutschen einander begegnen würden. Schon in der 14. Minute grätschte der Deutsche Horst Szymaniak in die Beine des Schweizers Norbert Eschmann und brach diesem – wie sich erst später herausstellen sollte – das Wadenbein. Szymaniak wurde vom holländischen Schiedsrichter Horn des Feldes verwiesen, und Eschmann kehrte nach einer Pflegepause noch einmal aufs Feld zurück und hielt bis zur Halbzeitpause durch! Dann musste er definitiv aufgeben und die Schweizer spielten die Partie zu Zehnt zu Ende – Auswechslungen waren an jenem WM-Turnier in Chile noch nicht erlaubt. Am Ende gewinnen die Deutschen die Partie mit 2:1, Uwe Seeler hatte das zweite deutsche Tor erzielt, die Schweizer kamen nur noch zum Anschlusstreffer von Heinz Schneiter. Die Begegnung der beiden Teams war gleichzeitig das letzte WM-Duell zwischen den beiden Nationen bis zum heutigen Tage, und an der Linie standen damals zwei Trainerlegenden. Sepp Herberger, der Weltmeistertrainer der Deutschen von 1954, und Karl Rappan, der gerade seine vierte und letzte Amtsperiode als Schweizer Nationaltrainer (total 12 Jahre) durchlebte. Die Schweizer waren nach der Vorrunde (1:3 gegen Chile und 0:3 gegen Italien) ausgeschieden, Deutschland scheiterte im Viertelfinal an Jugoslawien (0:1).


Schweizer Figur

Norbert Eschmann, ein gelernter Bijoutier aus der Westschweiz, hatte seine Karriere bei Lausanne-Sports begonnen, spielte eine Saison auch für Servette und wechselte danach als Auslandprofi zu Olympique Marseille und Stade Français. 1963, nach der WM und überstandenem Heilungsprozess, kehrte er in die Schweiz zurück und holte mit Lausanne einen Cupsieg (1964) und später mit dem BSC Young Boys einen Meistertitel (1965). Da hatte er seine Nationalmannschaftskarriere, die schon als (nicht eingesetztes) Kadermitglied 1954 bei der Heim-WM in der Schweiz begonnen hatte, beendet. Norbert Eschmann arbeitete nach seiner Fussballkarriere als Reporter für die Lausanner Zeitung 24 heures.


Weltmeister

Brasilien gewinnt trotz der Absenz des verletzten Pelé das Finalspiel gegen die europäische Entdeckung des Turniers, die Tschechoslowakei, mit 3:1. Bei den Brasilianern waren sieben Spieler der Final-Elf über 30 Jahre alt.


Kurios

Gleich sechs Spieler hatten an dieser WM-Endrunde vier Treffer erzielt - und so musste der Torschützenkönig erst- und einzigmalig an einer WM per Los bestimmt werden. Das Glück bestimmte den Brasilianer Garrincha.