WM 1950 in Brasilien

Die Qualifikation

WM 1950, Ausscheidungsspiele:

1. Runde
26. Juni 1949 in Zürich: Schweiz - Luxemburg 5:2 (3:1)
18. September 1949 in Luxemburg: Luxemburg - Schweiz 2:3 (2:1)

2. Runde
Gegner Belgien verzichtet

Die Schweiz damit an der WM 1950


Das Schweizer Aufgebot für die Endrunde

Tor: Eugenio Corrodi (FC Lugano), Adolph Hug (Urania Geneva), Georges Stuber (Lausanne-Sports). – Verteidigung und Mittelfeld: Rudolf Gyger (Cantonal Neuchâtel), Kurt Rey (Young Fellows Zurich), Willy Kernen (FC La Chaux-de-Fonds), Roger Bocquet (Lausanne-Sports), Olivier Eggimann (Servette Geneva), Gerhard Lusenti (AC Bellinzona), André Neury (FC Locarno), Roger Quinche (FC Bern). – Angriff: Charles Antenen (FC La Chaux-de-Fonds), René Bader (FC Basel), Walter Beerli (BSC Young Boys Bern), Alfred Bickel (Grasshoppers Zürich), Jacques „Jacky“ Fatton (Servette Geneva), Hanspeter Friedländer (Lausanne-Sports), Hans Siegenthaler (Young Fellows Zürich), Jean Tamini (Servette Geneva). – Trainer: Franco Andreoli.


Die Spiele an der Endrunde

Vorrunde, Gruppe 1

Schweiz – Jugoslawien 0:3 (0:0)

25. Juni 1950, 18.00 Uhr. – Estadio Sete de setembro, Belo Horizonte. – 7336 Zuschauer. – SR: Giovanni Galeati (Italien). – Tore: 58. Djajic 0:1. 68. Tomasevic 0:2. 82. Ognjanov 0:3.

Schweiz: Stuber; Neury, Bocquet; Lusenti, Eggimann, Quinche; Bickel, Antenen, Tamini, Bader, Fatton.

Jugoslawien: Mrkusic; Horvat, Stankovic; Zlatko Cajkowski, Jovanovic, Djajic; Ognjanov, Mitic, Tomasevic, Bobek, Vukas.

Bemerkungen: Schweiz ohne Hug, Corrodi, Friedländer, Gyger, Kernen, Rey, Soldini, Beerli, Siegenthaler und Beerli (alle nicht eingesetzt).


Brasilien – Schweiz 2:2 (2:1)

28. Juni 1950, 15.00 Uhr. – Estadio Pacaembu, Sao Paulo. – 42 032 Zuschauer. – SR: Ramon Azon Roma (Spanien). – Tore: 2. Alfredo 1:0. 16. Fatton 1.1. 44. Baltazar 2:1. 88. Fatton 2:2.

Brasilien: Barbosa; Augusto, Juvenal, Bauer; Ruy, Noronha, Maneca, Ademir, Baltazar, Alfredo, Friaca.

Schweiz: Stuber, Neury, Bocquet; Lusenti, Eggimann, Quinche; Bickel, Friedländer, Tamini, Bader, Fatton.


Schweiz - Mexiko 2:1 (2:0)

2. Juli 1950, 15.40 Uhr. – Estadio Beira-Rio, Porto Alegre/Bra. – 3580 Zuschauer. – SR: Ivan Eklind (Schweden). – Tore: 12. Bader 1:0. 45. Antenen 2:0. 88. Casarin 2:1.

Schweiz: Hug; Neury, Bocquet; Lusenti, Eggimann, Quinche; Antenen, Friedländer, Tamini, Bader, Fatton.

Mexiko: Carbajal; Gutierrez, Gomez; Guevara, Ochoa, Flores; Roca, Ortiz, Casarin, Borbolla, Velasquez.


Klassement, Gruppe 1:

1. Brasilien 3 2 1 0 8:2 5
2. Jugoslawien 3 2 0 1 7:3 4
3. Schweiz 3 1 1 1 4:6 3
4. Mexiko 3 0 0 3 2:10 0

Die Schweiz damit ausgeschieden


Infos

Zwölf Jahre lang hatte aufgrund des Zweiten Weltkriegs nach 1938 keine WM mehr stattgefunden - nun war es Zeit, zum vierten Mal um den Titel zu spielen. Zum zweiten Mal gings auf den südamerikanischen Kontinent, nach Brasilien. Deutschland und Japan waren als Kriegsverlierer aus der internationalen Sportgemeinschaft ausgeschlossen, auch aus der FIFA, und durften nicht teilnehmen. Die Schweizer hatten die nicht eben hohe Hürde der Qualifikation übersprungen, schalteten Luxemburg aus und mussten gegen Belgien, das freiwillig verzichtete, gar nicht erst antreten.

Mit einem Sonderflug der Scandinavian Airlines flogen die Schweizer zunächst von Zürich nach Dakar, den westlichsten Punkt Afrikas mit Fluganschluss. Für einen direkten Überseeflug aus der Schweiz waren die Maschinen von damals noch nicht ausgestattet. In Dakar gabs im Flughafenrestaurant einen kurzen Empfang mit Kaffee, nach dem Auftanken gings weiter nach Sao Paulo.

Für die Schweizer, die 1934 und 1938 noch im K.o.-System die Viertelfinals erreicht hatten, waren schon zum dritten Mal an einer WM dabei, doch die Gruppe erwies sich für das Team von Trainer Franco Andreoli als zu stark. Vor allem gegen Jugoslawien blieb man chancenlos. Und nur die Gruppensieger qualifizierten sich für die Finalrunde. Das waren neben den zuvor schon als Gruppenköpfe gesetzten Teams von Brasilien und Uruguay auch Schweden und Spanien. Die gesetzten Mannschaften von England (nur ein Sieg) und Italien waren dagegen auf der Strecke geblieben.

Schweizer Figur

Wer gegen Gastgeber Brasilien beide Tore zum überraschenden Punktgewinn erzielt, der geht in die Schweizer Fussballgeschichte ein. Dem Servette-Angreifer Jacques "Jacky" Fatton gelang dies. Doch nach dem 0:3 gegen Jugoslawien und dem 1:2 gegen Mexiko war die WM für die Schweiz vorzeitig beendet.

Weltmeister

Es war die wohl dunkelste Stunde in Brasiliens Fussball-Historie. Alles deutete am 16. Juli 1950 auf einen Erfolg der Brasilianer hin. Da die WM nach der Gruppenphase mit einer Finalrunde der vier besten Teams und nicht mit einem eigentlichen Final entschieden wurde, hätte den Brasilianern im letzten Spiel gegen Uruguay im ausverkauften Maracana sogar schon ein Unentschieden gereicht, da der Gegner zuvor gegen Spanien nur 2:2 gespielt hatte. Doch dann wendete sich nach der Führung durch Friaça das geschehen unerwarteterweise zugunsten der Uruguayer. Sie feierten den Titel - und Brasilien spielte fortan nie mehr in weissen Trikots. Der Pokal wurde übrigens nicht im Stadion, sondern im Kabinengang übergeben. FIFA-Präsident Jules Rimet wollte den rund 200 000 brasilianischen Zuschauern nicht nur die Schmach ersparen, sondern fürchtete sich auch vor Ausschreitungen.

Kurios

Von den 16 qualifizierten Teams fehlten am Ende gleich drei. Die Inder sagten ab, weil sie barfuss spielen wollten, die FIFA das jedoch nicht zuliess. Den Franzosen waren 3500 Flugkilometer zwischen zwei Spielorten zu viel. Die Türkei hatte schon zuvor abgesagt, das Reserveteam von Portugal wollte dann auch nicht dabei sein. Und so kams zur Situation, dass in der Gruppe 4 nur ein einziges Spiel, jenes zwischen Uruguay und Bolivien, durchgeführt werden konnte. Der spätere Weltmeister kam so im Schongang in die Finalrunde und hatte am Ende die Kraft für den grossen Coup.