WM 1938 in Frankreich

Die Qualifikation

WM 1938, Ausscheidungsspiel, Gruppe 5

1. Mai 1938 in Mailand: Schweiz - Portugal 2:1 (2:0)

Die Schweiz damit an der WM 1938


Das Schweizer Aufgebot für die Endrunde

Tor: Erwin Ballabio (FC Grenchen), Renato Bizzozzero (Slavia Prag/Tsch), Willy Huber (Grasshoppers Zürich). - Verteidigung: August Lehmann (Grasshoppers Zürich), Severino Minelli (Grasshoppers Zürich), Adolf Stelzer (Lausanne-Sport). - Mittelfeld: Albert Guinchard (Servette FC), Ernest Lötscher (Servette FC), Oscar Rauch (Grasshoppers Zürich), Hermann Springer (Grasshoppers Zürich), Sirio Vernati (Grasshoppers Zürich). - Angriff: André Abegglen (FC Sochaux/Fr), Georges Aeby (Servette FC), Paul Aebi (BSC Young Boys), Lauro Amado (FC Lugano), Alfred Bickel (Grasshoppers Zürich), Alessandro Frigerio (Le Havre AC/Fr), Tullio Grassi (FC Lugano), Leopold Kielholz (SC Young Fellows Zürich), Eugen Rupf (Grasshoppers Zürich), Fritz Wagner (Grasshoppers Zürich), Eugène Walaschek (Servette FC). - Trainer: Karl Rappan/Ö.


Die Spiele an der Endrunde

Achtelfinal
Schweiz – „Grossdeutschland“ 1:1 (1:1) n.V.

4. Juni 1938, 17.00 Uhr. – Parc des Princes, Paris. – 27 152 Zuschauer. - SR Langenus (Bel). – Tore: 29. Gauchel 0:1. 43. Abegglen III 1:1.

Schweiz: Willy Huber; Severino Minelli, August Lehmann; Hermann Springer, Sirio Vernati, Ernest Lörtscher; Lauro Amadò, André „Trello“ Abegglen III, Alfred Bickel, Eugène Walaschek, Georges Aeby. – Trainer: Karl Rappan.

Deutschland: Raftl; Janes, Schmaus; Kupfer, Mock, Kitzinger; Lehner, Gellesch, Gauchel, Hahnemann, Pesser. – Trainer: Sepp Herberger.

Bemerkungen: Deutschland mit den fünf Österreichern Raftl, Mock, Hahnemann, Pesser und Schmaus. - Platzverweis: 96. Pesser.


Achtelfinal, Wiederholungsspiel
Schweiz – „Grossdeutschland“ 4:2 (1:2)

9. Juni 1938, 18.00 Uhr. – Parc des Princes, Paris. – 20025 Zuschauer. – SR: Ivan Eklind (Schweden). – Tore: 8. Hahnemann 0:1. 21. Lörtscher (Eigentor) 0:2. 42. Walaschek 1:2. 64. Bickel 2:2. 75. Abegglen III 3:2. 78. Abegglen III 4:2.

Schweiz: Willy Huber; Severino Minelli, August Lehmann; Hermann Springer, Sirio Vernati, Ernest Lörtscher; Lauro Amadò, André „Trello“ Abegglen III, Alfred Bickel, Ernest Walaschek, Georges Aeby. – Trainer: Karl Rappan.

Deutschland: Raftl; Janes, Streitle; Kupfer, Goldbrunner, Skumal; Lehner, Stroh, Hahnemann, Szepan, Neumer. – Trainer: Sepp Herberger.

Bemerkungen: Aeby wird nach einem Luftduell vor, während und nach der Halbzeitpause gepflegt und verpasst rund 18 Spielminuten, tritt dann aber wieder aufs Spielfeld. Deutschland gegenüber dem ersten Spiel auf sechs Positionen verändert, aber immer noch im Verhältnis 6 Deutsche/5 Österreicher.


Viertelfinal
Ungarn - Schweiz 2:0 (1:0)

12. Juni 1938, 17.00 Uhr. – Stade Victor Boucquey, Lille. – 15 000 Zuschauer. – SR: Rinaldo Barlassina (Italien). – Tore: : 41. Zsengeller 1:0. 89. Zsengeller 2:0.

Schweiz: Willy Huber; Adolf Stelzer, August Lehmann; Hermann Springer,Sirio Vernati, Ernest Lörtscher; Alfred Bickel, André „Trello“ Abegglen III, Lauro Amadò, Eugène Walaschek, Tullio Grassi. – Trainer: Karl Rappan.

Ungarn: Antal Szabó; Ferenc Sas, Gyula Lázár, József Turay, Antal Szalay, Lajos Korányi, Sándor Bíró, Jenő Vincze, György Sárosi, Gyula Zsengeller, Vilmos Kohut. – Trainer: Alfred Schaffer.

Bemerkungen: Schweiz ohne Minelli und Georges Aeby (beide geschont im Hinblick auf das Wiederholungsspiel GC - Servette im Schweizer Cup eine Woche danach!), Rauch, Guinchard, Bizzozzero (alle nicht eingesetzt).

Infos

Im März 1938 erfolgte der Anschluss von Österreich an das von der NSDAP geführte Deutschland - auf Geheiss der politischen Führung und gegen den Willen von Trainer Sepp Herberger sollte die WM nun mit einem gemeinsamen Team "Grossdeutschland" bestritten werden. Die Österreicher hatten sich zuvor schon eigenständig für die WM qualifiziert, so dass Schweden den Achtelfinal kampflos überstehen durfte. Das deutsche Team traf in den Achtelfinals ausgerechnet auf die Schweiz - und die präsentierte sich gegen den übermächtig scheinenden Gegner ohne Furcht. Das erste Spiel endete mit 1:1 in der Verlängerung, wiederum wurde ein Wiederholungsspiel fällig, das die Schweizer trotz einem 0:2-Rückstand und einem längeren verletzungsbedingten Ausfall ihres Stürmers Georges Aeby während des Spiels noch mit 4:2 gewinnen konnten. Es war eine Sternstunde für den Schweizer Fussball und eine grosse Schmach für das "grossdeutsche" Team.

Die Schweizer unterlagen in der Folge Ungarn im Viertelfinal mit 0:2. Georges Aeby konnte nicht mehr mittun und weil der Servettien eine Woche später im Wiederholungsspiel des Schweizer Cups gegen die Grasshoppers wieder gebraucht wurde, liess Nationaltrainer Karl Rappan im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit auch seinen GC-Verteidiger Severino Minelli auf der Bank. In dieser Zusammensetzung blieben die Schweizer gegen Ungarn ohne Chance, Gyula Zsengeller erzielte beide Tore in Lille.

Schweizer Figur

André "Trello" Abegglen glich im ersten Achtelfinal gegen Grossdeutschland zum 1:1 aus und ermöglichte so das Wiederholungsspiel, in dem er die beiden letzten Tore zum 4:2-Erfolg erzielte. Mit drei Toren war er so eine wichtige Stütze im Schweizer Spiel. Lenker und Denker im Schweizer Spiel war jedoch sein GC-Clubkollege Alfred Bickel, der vor allem während des vorübergehenden Ausfalls von Georges Aeby in allen Zonen die Löcher stopfte und den Schweizern den Glauben erhielt, es noch schaffen zu können. André Abegglen, für den die damals übliche römische Nummerierung Abegglen III verwendet wurde, ist der jüngere Bruder von Jean Abegglen (3 LS, 1 Tor) und des ebenso erfolgreichen Max "Xam" Abegglen (68 LS, 34 Tore).

Weltmeister

Vier Jahre nach dem skandalumwitterten WM-Titel im eigenen Land schlugen die Italiener in Frankreich abermals zu und wurden damit zum ersten "Gast"-Weltmeister nach den beiden Heimerfolgen Uruguays (1930) und Italiens (1934). Im Achtelfinal gegen Norwegen mussten die Italiener überraschenderweise in die Verlängerung, setzten sich dort aber mit 2:1 durch. Im Viertelfinal konnte dank eines überragenden Sivlio Piola Gastgeber Frankreich in Colombes mit 3:1 bezwungen werden, im Halbfinal wurde unter der Leitung des Schweizer Schiedsrichters Hans Wüthrich Brasilien mit 2:1 bezwungen. Den Final gegen Ungarn gewannen Captain Giuseppe Meazza & Co. gegen Ungarn schliesslich mit 4:2. Wiederum machte Silvio Piola das letzte und entscheidende Tor zum 4:2 in der 82. Minute.

Kurios

Spiele, die auch nach der Verlängerung noch unentschieden waren, wurden bei der WM 1938 letztmals wiederholt. Für die betroffenen Mannschaften war das eine erhebliche Mehrbelastung, zumal diese Wiederholungen kaum Ruhepausen nach und vor den Einsätzen zuliessen. So war es nicht weiter verwunderlich, dass jene Teams, die sich in Wiederholungsspielen durchsetzten (wie die Schweiz und Kuba in den Achtelfinals sowie Brasilien in den Viertelfinals) in der jeweils nächsten Runde aufgrund des Kraftverlustes postwendend ausschieden. Aus diesem Grund wurden bei der nächsten WM nach dem Unterbruch während des Zweiten Weltkrieges, 1950 in Brasilien, erstmals nach einem neuen Modus mit Gruppen- und Finalrundenspielen agiert. 1954 in der Schweiz benötigte man nach den Gruppenspielen zwei Entscheidungspartien, die K.o.-Spiele wurden danach alle spätestens in der Verlängerung entschieden. Das galt auch für die folgenden Turniere, wobei 1974 und 1978 erstmals mit Zwischenrundengruppen und den darauffolgenden Finalspielen um Rang 3 und den Titel gearbeitet wurde. Erst an der WM 1982 wurde erstmals ein Endrundenspiel in einem Penaltyschiessen entschieden, der Halbfinal zwischen Deutschland und Frankreich.