WM 1934 in Italien

Die Qualifikation

WM 1934, Gruppe 6
Schlussklassement:

1. Schweiz 2 1 1 0 4:2 3
2. Rumänien 2 1 0 1 2:3 2
3. Jugoslawien 2 0 1 1 3:4 1

Die Partie Schweiz - Rumänien (2:2) wurde wegen des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Spielers nachträglich mit 2:0 gewertet.

Die Schweiz damit an der WM 1934


Das Schweizer Aufgebot für die Endrunde

Tor: Frank Séchehaye (Servette FC), Renato Bizzozzero (FC Lugano), Willy Huber (Grasshoppers Zürich). - Verteidigung: Severino Minelli (Grasshoppers Zürich, Captain), Walter Weiler (Grasshoppers Zürich), Louis Gobet (FC Bern), Arnaldo Ortelli (FC Lugano), Max Weiler (Grasshoppers Zürich). - Mittelfeld/Läufer: Albert Guinchard (Servette FC), Paul Hufschmid (FC Basel), Fernand Jaccard (FC La Tour-de-Peilz), Ernst Frick (FC Luzern), Edmond Loichot (Servette FC), Willy Jäggi (Lausanne-Sports). - Angriff: Leopold Kielholz (Servette FC), André Abegglen (Grasshoppers Zürich), Willy von Känel (FC Biel), Giuseppe Bossi (FC Bern), Alfred Jäck (FC Basel), Raymond Passello (Servette FC), Erwin Hochstrasser (Lausanne-Sports), Albert Büche (FC Nordstern Basel). - Trainer: Heinrich "Henry" Müller.


Die Spiele der Endrunde

WM 1934, Endrunde, Achtelfinal
Schweiz – Holland 3:2 (2:1)

27. Mai 1934, 16.30 Uhr. – San Siro, Mailand. –
33 000 Zuschauer. – SR Eklund (Sd). – Tore:
7. Kielholz 1:0. 29. Smit 1:1. 43. Kielholz 2:1.
66. André Abegglen III 3:1. 69. Vente 3:2.
Schweiz: Séchehaye; Minelli, Walter Weiler
II; Guinchard, Jaccard, Hufschmid; von Känel,
Passello, Kielholz, André Abegglen III, Bossi. –
Nationaltrainer: Henri Müller.
Holland: van der Meulen; Weber, van Ruun;
Pellikaan, Anderiesen, van Heel; Wels, Vente,
Bakhuijs, Smit, van Nellen.
Bemerkungen: Erstes WM-Spiel der Schweizer
Fussballgeschichte.


WM 1934, Endrunde, Viertelfinal
Schweiz – Tschechoslowakei 2:3 (1:1)

31. Mai 1934, 16.30 Uhr. – Stadio Benito Mussolini,
Turin. – 12 000 Zuschauer. – SR Beranek (Ö). –
Tore: 12. Kielholz 1:0. 24. Svoboda 1:1. 49. Sobotka
1:2. 78. Willy Jäggi IV 2:2. 82. Nejedl 2:3.
Schweiz: Séchehaye; Minelli, Walter Weiler II;
Guinchard, Jaccard, Hufschmid; von Känel, Willy
Jäggi IV, Kielholz, André Abegglen III, Jaeck. –
Nationaltrainer: Henri Müller.
Tschechoslowakei: Planicka; Zenisek, Ctyroky;
Kostalek, Cambal, Krcil; Junek, Svoboda, Sobotka,
Nejedl, Puc.


Infos

33 Teams schrieben sich weltweit für die Qualifikation für diese erste Weltmeisterschaft auf europäischen Boden ein, doch bevor die Vorausscheidung in zwölf regionalen Gruppen mit zwei bis vier Teams begann, zogen sich die Türkei, Chile und Peru zurück. Das führte zur Situation, dass Argentinien und Brasilien kampflos zur Endrunde mit 16 Teams kamen. Uruguay, der Heimweltmeister von 1930, hatte sich geweigert, an der WM in Italien teilzunehmen, weil beim eigenen Turnier auch viele europäische Teams wegen der langen Anreise und den Kosten verzichtet hatten. England, damals nicht Mitglied der FIFA, war ebenfalls nicht dabei. Auch in der Schweizer Qualifikationsgruppe lief nicht alles reibungslos ab. Das Team von Nationaltrainer Heinrich "Henry" Müller spielte gegen Jugoslawien und Rumänien zweimal 2:2-Unentschieden. Und weil die Rumänen Jugoslawien mit 2:1 besiegten, wären eigentlich sie zur WM gefahren. Doch nach einem Protest der Schweiz wurde das 2:2 von der FIFA nachträglich mit einem 2:0-Forfait-Sieg für die Schweiz gewertet, da Rumänien mit Iliu Baratky einen Spieler einsetzte, der schon für die Auswahl Ungarns gespielt hatte. So kamen die Rot-Weissen, die 1930 ebenfalls auf eine Teilnahme verzichtet hatten, zu ihrer ersten WM. Nationaltrainer Heinrich "Henry" Müller bereitete das Team in Ambri-Piotta auf die bevorstehenden Aufgaben vor.

Am 27. Mai 1934 wurden alle acht Achtelfinals in acht italienischen Städten gleichzeitig ausgerichtet. Die Paarungen waren nach einem Setzsystem bestimmt worden, damit die besten Teams nicht schon in der ersten Runde aufeinandertreffen. Die Schweiz hatte das Glück, auf Holland zu treffen, das als achtes und letztes Team gesetzt worden war, was allenthalben auf Unverständnis gestossen war. Frankreich, die Schweiz und vor allem Spanien wurden zu jenem Zeitpunkt als stärkere Teams eingestuft. Die Favoritenrolle tat den Holländern gar nicht gut - verblendet vom Glauben in die eigene Stärke waren sie den Schweizern letztlich unterlegen und verloren mit 2:3. Der Schweizer Mittelstürmer Leopold "Poldi" Kielholz trug sich als Doppeltorschütze ein, André "Trello" Abegglen sorgte in der 66. Minute mit seinem 3:1 für die Vorentscheidung. Alle nicht-europäischen Teams (Brasilien und Argentinien, die nicht mit den bestmöglichen Teams angetreten waren, sowie die USA und Ägypten) schieden schon in den Achtelfinals aus, sodass die Runde der letzten acht Teams zu einer rein europäischen Angelegenheit wurde.

Im Viertelfinal gegen die Tschechoslowakei hielten die Schweizer lange mit, sie lagen, wiederum durch Kielholz mit 1:0 in Führung und konnten in der 78. Minute durch Willy Jäggi ausgleichen, doch am Ende mussten sie den entscheidenden Gegentreffer zum 2:3 hinnehmen. Die Tschechoslowaken wurden schliesslich erst in der Verlängerung des Finals gegen Gastgeber Italien in Rom mit 1:2 gebremst.

Schweizer Figur

Leopold "Poldi" Kielholz wurde mit seinem Tor in der 7. Minute des Achtelfinals gegen Holland zum ersten WM-Torschützen der Schweizer Fussballgeschichte. Er erzielte kurz vor der Pause auch das Tor zum 2:1 und fügte mit dem Führungstor gegen die Tschechoslowakei einen weiteren WM-Treffer dazu. Der Mann mit der typischen Hornbrille wurde so zur grossen Schweizer Figur der WM 1934.

Weltmeister

Italien stand zur Zeit der WM 1934 unter der Führung der faschistischen Diktators Benito Mussolini. Dieser nützte die WM auch zu Propagandazwecken - und alles andere als ein Weltmeistertitel für Italien wäre eine Schmach gewesen. Die Italiener, die sich wie alle anderen Teilnehmer in der Qualifikation hatten durchsetzen müssen (gegen Griechenland) - standen im Viertelfinal kurz vor dem Ausscheiden. Der erste Vergleich endete nach Verlängerung mit 1:1, 24 Stunden später (!) musste ein Wiederholungsspiel über das Weiterkommen entscheiden. Die Spanier wurden vom Schweizer Schiedsrichter René Mercet deutlich benachteiligt, das Gegentor war irregulär, ihnen selbst wurden zwei Penaltys und zwei Tore verweigert. Dazu wurde nichts gegen die harte italienische Gangart unternommen, so dass die Spanier die Partie mit acht Spielern beenden mussten (drei verletzte Akteure durften nicht ersetzt werden). "Mercet hat die Italiener auf schamloseste Weise bevorzugt", schrieb die National-Zeitung in Basel. Den Spielern und Mussolini war das egal. Im Final ging es noch am korrektesten zu, die Italiener gewannen gegen die Tschechoslowakei mit 2:1 nach Verlängerung, Angelo Schiavio erzielte in der 96. Minute den Siegtreffer.

Kurios

Der schwedische Schiedsrichter Ivan Eklind wurde zur Skandalfigur der WM 1934. Am Tag vor dem Halbfinal von Gastgeber Italien gegen Österreich war er bei Diktator Benito Mussolini als Ehrengast geladen. Im Spiel selbst stufte er den Siegtreffer der Italiener, als Giuseppe Meazza Torhüter Peter Patzer mitsamt Ball über die Linie stiess, als regulär ein. Bei einer Chance der Österreicher köpfelte er den Ball gleich höchstpersönlich aus der Gefahrenzone. Trotz (oder auch wegen) seiner Leistung wurde er auch für das Finalspiel nominiert. Auch dort soll er einige fragwürdige Entscheidungen getroffen haben. Nach der WM gab es Bestechungsvorwürfe gegen Eklind, aber auch gegen den Belgier Louis Baert und den Schweizer René Mercet. Mercet pfiff nie wieder ein Fussballspiel, er selbst sagte, er sei zurückgetreten, andere sprachen von einer lebenslänglichen Sperre.